Wie kamen wir zu Pick-up und Wohnkabine?

Seit 2015 sind wir in unseren Urlauben meist recht mobil unterwegs. Nur selten sind wir mehr als eine Nacht an dem gleichen Ort. Zunächst waren wir mit unserem Caddy Maxi und einem leichten Trekkingzelt unterwegs. Auf einer 3-wöchigen Reise durch Skandinavien, die uns bis auf die Lofoten führte, stand das Zelt meist entweder nebem dem Auto, oder wir packten den Trekkingrucksack mit Zelt, Isomatten, Schlafsäcken und Essen für zwei Tage und wanderten los.

Nachtlager in Dalarna (Schweden) – 2015

So hatten wir ruhige Nächte an einsamen Stränden auf den Lofoten, Mitten im Nirgendwo in Lappland oder bauten unser Zelt 50m oberhalb der Trolltunga auf und konnten so einen unvergesslichen Sonnenuntergang genießen. Und das ohne die typischen Menschenmengen die tagsüber die Trolltunga besuchen.

Zelten ganz nah an der Trolltunga

Ab 2016 verreisten wir zu dritt und unser leichtes Trekkingzelt wurde zu klein. Eine andere Lösung musste her. Es war die Zeit in der die Dachzelte langsam populärer wurden, wir überlegten, recherchierten und bestellten auf einer Reisemesse ein Dachzelt für den Caddy. Auf 230cm x 165cm Liegefläche sollten wir mehr Platz als im heimischen Bett haben und hatten dennoch im Auto für viel Reisegepäck genügend Stauraum. 2017, während der Elternzeit, fuhren wir in 6 Wochen mit Caddy und Dachzelt einmal rund um die Ostsee. Über Polen, Litauen, Lettland und Estland ging es weiter nach Finnland.

Unterwegs auf einsamen Schotterpisten in Finnland – 2017

Über abgelegene Nebenstrecken ging es immer weiter hoch in den Norden. In Norwegen war unser Ziel der östlichste Punkt des Landes – Vardø. Das Nordkap stand eigentlich nie so richtig als Ziel fest. Als die Wetterprognosen jedoch 20°C und Sonnenschein für die kommenden zwei Tage vorhersagten, machten wir uns dann doch auf den Weg zum wohl populärsten Reiseziel des Nordens. Bei 2°C und Nebel kamen wir dann an, schauten uns die Ausstellung an und machten bei stürmigen Böen ein paar obligatorische Fotos vor der Weltkugel. Schon bald machten wir uns wieder auf den “Heimweg” gen Süden. Durch Norwegen, über die Vesterålen, ging es Richtung Lofoten. Als das dann wieder sonnige Wetter umschlug fuhren wir nach Schweden und konnten wieder tollsten Sonnenschein bis tief in die kurzen Nächte genießen. Über vielen Nebenstrecken ging es südlicher und wir standen häufig einsam an abgelegenen kleinen Seen.

doppelte Mitternachtssonne in Schweden – 2017

Auf den kleinen, ausgefahrenen Nebenstrecken zeigte sich dann auch eine Schwäche des Caddy. Auf groben Schotterabschnitten war die geringe Bodenfreiheit hin und wieder ein limitierender Faktor und wir setzten nicht nur einmal unsanft mit dem Unterboden auf. Im Hinterkopf entwickelten sich erste Gedanken zu möglichen Alternativen. Wieder Zuhause angekommen wurde der Caddy Maxi gegen einen Seat Leon ST getauscht. Für den Platz als Reisefahrzeug ein Rückschritt, für den täglichen Arbeitsweg von knapp 150km ein Quantensprung in Sachen Komfort.

Im Februar 2018 ging es dann schon wieder in den hohen Norden. Wir hatten für eine Woche ein Ferienhaus auf den Lofoten gemietet. Dazu jeweils eine Woche für die Anreise über Schweden und eine Woche für die Rückfahrt durch Norwegen eingeplant. Der Seat brachte uns zuverlässig über eisige Straßen auf die Lofoten und zurück.

3000km auf Eis und Schnee bis auf die Lofoten – 2018

Auf den Lofoten hatten wir eine tolle Woche. Tagsüber meist milde Temperaturen knapp unter 0°C und abends eine Woche lange jeden Tag traumhafte Nordlichter. Außerhalb der Saison waren die typischen Hot-Spots nicht überlaufen oder sogar nahezu menschenleer und an weniger bekannten Plätzen war es ohnehin ruhig.

Nordlichter über dem kleinen Hafen von Hovsund – 2018

Auf der Rückreise zeigte der norwegische Winter auf dem Dovrefjell noch einmal was er so kann. Das Thermometer fiel auf -30°C. Im Auto bei 50 Grad mehr genossen wir die Landschaft und beobachteten hin und wieder kleine Rentierherden wie sie unter dem Schnee nach Futter suchten.

Wieder daheim und eine Probetour mit dem Dachzelt auf dem Seat später, fiel der Entschluss, dass sich für zukünftige Reise etwas ändern sollte. Der Seat hatte für uns zu Dritt mit Dachzelt und aller Ausrüstung zu wenig Stauraum. Die Problematik bezüglich der geringen Bodenfreiheit vom Caddy hat sich auch nicht gerade gebessert. Zudem wünschten wir uns etwas mehr Wetterschutz. Auch wenn wir im Dachzelt zwar stets trocken und, mit guten Schlafsäcken, warm geschlafen hatten, Kochen und Essen mussten wir bei jedem Wetter draußen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und horizontalem Regen konnte das auch mal ungemütlich werden. Wir erstellten uns ein Lastenheft. Wetterfest bzw. Winterfest sollte es sein, mit Heizung und entsprechender Isolation. Kühlschrank, Kochmöglichkeit und Wasser sollten an Bord sein und Autarkie für mindestens drei Tage ermöglichen. Wir wollten unter 3,5 Tonnen und unter 6 Meter Länge bleiben. Ersteres sollte uns den Gang zur Fahrschule ersparen und für günstige Mautpreise sorgten, die geringe Länge war den häufigen Fährüberfahrten geschuldet. Da ist man über 6 Metern häufig in einer anderen, teureren Kategorie unterwegs. Dazu kam noch der Wunsch nach Allrad und etwas mehr Bodenfreiheit.

Für uns fiel dann die Entscheidung auf einen Pick-up samt Wohnkabine. Wir schauten uns verschiedene Konzepte an, fuhren diverse Fahrzeuge zur Probe und hatten dann im Sommer “unseren” VW Amarok samt Nordstar-Kabine gefunden.

eine der ersten Nächte im neuen Reisefahrzeug – 2018

Für uns war bzw. ist die Kombi perfekt. Auf relativ kleinem Raum haben wir mehr Komfort als wir brauchen. Ein großes Bett, Heizung, Kühlschrank, Kocher, 50 Liter Frischwasser und eine Notfalltoilette ist auch an Bord. Der Amarok brachte uns bisher zuverlässig an viele schöne, legal zu befahrende Plätze die wir zum Teil ohne Allrad vermutlich nicht angefahren hätten.